CD TRANSGRESSION | Interview (X-RockZ, AT)

KRAFTVOLLER DEATH- UMARMT MELODIC- UND BLACKMETAL

Ja, auch das gibt es! Die fünf Grazer zeigen uns in ihrem brandneuen Werk Transgression wie sich so was gefälligst anzuhören hat – eben ADVANCED DEATHMETAL ART.

Wer Scarecrow N.W.A. (noch) nicht kennt wird mit diesem Begriff vorerst nicht viel anfangen können – wurde dieser Stil doch eigens von der Band definiert. Bereits beim ersten Reinhören in die frischgebackene Schöpfung wird einem schnell klar, dass es sich hier nicht um simples, typisches Deathmetal-Geprügel handelt sondern weitaus mehr dahinter steckt. Und das obwohl sich das fünfte full-length Album Transgression lediglich an den bodenständigen Metalwerkzeugen bedient: wuchtige Gitarren, ausdrücklichem Bass, schlagartigen Drums und kraftstrotzenden Vocals.

Worin nun die selbsternannte künstlerische Komplexität besteht? „Einerseits ist bei unserer Musik das kompositorische Element nicht zu unterschätzen“, erklärt uns Bernd K. – der Sänger und Textschreiber des Quintetts, „und andererseits ist auch die klangvolle Komponente durch die Black- und Melodicmetal- Einflüsse keinesfalls anspruchslos, weder für uns noch für den aufmerksamen Zuhörer“.  Transgression hat jedoch auch eine andere Besonderheit. Ursprünglich als Album geplant, das noch vor der großartig prophezeiten Apokalypse 2012 anlässlich derselben veröffentlicht hätte werden sollen, konnte dieses leider erst 2013 fertiggestellt werden. Dafür aber umso durchdachter und sinnvoller.

Das Merkmal liegt hier auf den Lyrics, die auf den ersten Blick zwar das typische Deathmetal-Klischee von Sehnsucht, Tod und bloßem Verderben zu erfüllen scheinen, aber bei genauerem Befassen eine Bandbreite an Subjektivität und Auslegungssache hinterlassen. Und da der Grat zwischen Hass, Liebe und dem Wunsch nach einer besseren Welt bekanntlich ein sehr schmaler ist kann man die Pointe jedes einzelnen dieser neun Tracks zu einem roten Faden zusammenfassen: die (für jeden) verschiedenartige Suche danach.

In den Hintergrund rutschen sollte hierbei trotz allen Anspruchs jedoch nicht die Tatsache, dass Transgression jedem Hörer eine Druckwelle an angenehmer Heftigkeit ans Ohr knallt, welche jedes Metallerherz höher schlagen und dessen Besitzers Kopf rotieren lässt. So unterschiedlich die Nummern hier vom melodischen Aspekt aus auch sind, so sehr gehen sie dennoch voll ins Hirn. Die kraftvollen und gleichzeitig äußerst melodischen Riffs verdanken wir den sieben Saiten der beiden Klampfisten Gsputi und Alex D., der Gründervater der mittlerweile 18-jährigen Scarecrow N.W.A. Mit von der Partie sind außerdem Stef K., der das Schlagzeug ungetrübt durchprügelt sowie Oliver R., der erst durch Scarecrow N.W.A. seine Leidenschaft für das Bassspielen entdeckte, zupfte er doch davor lieber an einer Gitarre.  In dieser Konstellation, die erst seit 2008 als solche besteht und zu guter Letzt durch Gsputi bereichert wurde, haben sich die fünf Jungs zu einem eingespielten Team entwickelt, das mit seinem Letzlingswerk genau das zum Ausdruck bringt. Scarecrow N.W.A. sind nun stärker und gefestigter als je zuvor.

Was den Umstand, dass die Geschichte der Mitgliederrekrutierung mehr Zufall als geplant war, sehr schicksalhaft erscheinen mag. Bernd und Stef wurden auf einem gemeinsam besuchten Konzert angesprochen, Oliver wurde von Stef mitgebracht und Gsputi fand seinen Platz durch gemeinsame Bekannte. Ursprünglich als Metalband mit Wurzeln aus beinahe jedem Genre und enormen Hang zur Experimentierfreudigkeit hat sich mit der endgültigen Aufstellung wie sie heute ist im Laufe der Zeit ein ganz eigener Stil entwickelt – ADVANCED DEATHMETAL ART.

Kleine Anekdote nebenbei: selbst der Herausgeber, unser Chef vom Dienst Günther Golob hatte im Jahre 2004 die Ehre Scarecrow N.W.A. mit seiner Bassgitarre zu unterstützen und wirkte sogar beim Album Northern Lights mit.

Die Band kann doch einiges an gespielten Konzerten vorweisen wie einige Male auf Festivals sowie als Support. Bernd erzählt mit einem erinnerndem Lächeln von ihrem  Auftritt im Jahre 2008 als Vorband von Within Temptation: „Es war Wahnsinn. Ich stand dort auf der Bühne, experimentierte mit verschiedenen Gesangsstilen und die Leute jubelten uns zu! Das als lokaler Act bei einer ausverkauften Veranstaltung zu erleben ist überwältigend.“ Vielleicht mitunter ein Grund dafür, dass er sich bei den aktuellen Werken über seinen ursprünglichen Tellerrand hinausgewagt hat und neben dem üblichen Growling auch mal cleanen Gesang zum Besten gibt.

„Unsere Songs klingen in deren Entstehungsphase von fünf Liveauftritten fünf Mal anders“, erklärt Bernd, „aber solange nicht jeder Einzelne von uns zufrieden ist, ist es nicht fertig. Die Idee beginnt im Proberaum, die Ausführung passiert auf der Bühne und erst wenn es aufgenommen ist betrachten wir es als erledigt“. Alex wirft noch ein: „Zuerst wird gejammt, dann wird es zusammen ausgereift. So Etwas wie Notenvorgabe gibt es bei uns nicht, da kann der Weg zur Aufnahme schon mal zwei, drei Proben bis hin zu mehreren Monaten dauern“. „Es ist grundsätzlich Musik, die wir für UNS machen – da kann man sich so was schon mal erlauben“, lächelt Bernd, „Lieber vor zehn Leuten spielen, denen es gefällt als vor 1000, die nicht wissen was sie dort tun“. Eine Taktik, die anscheinend recht gut funktioniert.

„Diesmal hielten wir die aktuellen Lieder für zu gut um sie, wie sonst immer, in Eigenregie aufzunehmen“, strahlen die Deathmetaller. Und so fanden die Fünf ihren perfekten Partner im Label Noise Head Records und veröffentlichten mit ihnen das Promovideo Self Enslavement (zu finden auf www.youtube.com/NewWorldAnnihilation). Mit Georg Walt hat die Band außerdem einen verantwortungsbewussten Produzenten, der sie von den Aufnahmen des Albums bis hin zum Mastering unterstützte. Bereits der Silberling Ishmael (2009) wurde von Walt produziert, jedoch liegt der Unterschied zu Transgression laut eigenen Angaben der Burschen darin, dass das Hauptaugenmerk nun auf Authentizität und Reproduzierbarkeit gelegt wird. Also Schluss mit Experimenten?

Wenn Scarecrow N.W.A. das mit diesem Release beweist und sich in dieser Richtung treu bleibt dann können wir nur sagen: Gut so, mehr davon!

Transgression verdient natürlich eine saftige Einweihungsfeier, die unter Anderem am 28. September 2013 im club wakuum in Graz von den Schöpfern dargeboten wird. Wie sie uns schon einmal vorab verraten haben, erwartet euch mindestens eineinhalb Stunden lang ein musikalisch dargebotener Lebenslauf von Scarecrow N.W.A., der seinen Mittelpunkt natürlich auf die frischgepressten Nummern des aktuellen Albums legt. Wer nicht schon vorab, auf welchem Weg auch immer, eine Möglichkeit gefunden hat sich die neun Tracks reinzuziehen der kann sich auf die eine oder andere (nicht immer sehr ernst gemeinte) Überraschung freuen – nur so viel sei verraten: wer Manowar mag wird beim kommenden Liveauftritt seinen ganz persönlichen Favoriten finden. Um auch den jungen Nachwuchs zu fördern,  heizen die steirischen Newcomer von Violenzia und Errai sowie die Tiroler Relinquished den Fans ab 20:30 Uhr schon mal ordentlich ein. See you there!

Jenny Jameson for X-RockZ Magazine

Leave a Reply