CD TRANSGRESSION | Review (Metalfanatics,AT)

Scarecrow N.W.A. – Transgression

Sie sind schon eine herausragende Band in der österreichischen Metal-Szene, Scarecrow N.W.A. aus Graz, Österreich. Man muss die hier gezeigte Leistung aber international bewerten und auch unter dieser Voraussetzung steht die Band gut da, wenn man Spieltechnik und Arrangements betrachtet, aber es sind auch richtig gute Songs dabei, die allesamt sehr melodisch sind.

In dieser bestimmten Schnittmenge, die der klassische Metalfan als melodisch einstuft, reizt die Band alles aus. Avantgardisten, die der reinen Kantigkeit zugetan sind und hier auch harmonisch schräge Elemente am allerhöchsten einstufen, sind aber sowieso nicht Zielgruppe der Band. Dass ich das überhaupt erwähne, ist allein der Tatsache geschuldet, dass man in einem bestimmten Segment ganz oben agiert.

Im Prinzip ist das hier klassisch moderner Metal, der nie zurückwirkt, stets nach vorne schaut, aber andrerseits keinen Trend mitmacht, eher überdurchschnittlich den größtmöglichen Konsens im Metal-Genre ausreizt, was die Band zumindest im Zugang in eine Liga mit Bands wie Dark Tranquillity bringt.

Stilistisch kann man die Band nicht irgendwo reinzwängen. Vocal-technisch agiert man im modernem Death Metal mit coolem Growling und auch gut in Szene gesetzten Klargesang, aber niemals in diesem bewußt öden Wechselspiel, das man von Ami-Trendbands kennt. Sänger Bernd growlt mit vollem Organ, er singt in dieser Stilistik vielfach durchgängig, das gehört zu seinem Trademark, hat früher etwas genervt, aber er hat sich hier durchaus zurückgenommen gegenüber der letzten Scheibe und er phrasiert sehr durchdacht, kurz gesagt: Er agiert musikalisch, was gerade oft nicht der Fall ist, bei Bands, die musikalisch offen und weitblickend agieren und durch eindimensionales Gegröhle ihres Frontmannes quasi zerstört werden. Die Musik wirkt auskomponiert und hier will man gesanglich nicht zurückstehen. So einfach kann es gehen. “At Dead Of Night” erinnert gerade aus diesen Gründen durchaus an Amon Amarth.

Herausragend sind sämtliche Soli, die rhythmische Gitarrenarbeit und auch das Drumming ist sehr abwechslungsreich und völlig duchgestylt. Tipp: “MMXII” besitzt übrigens dieses klassisch metal-mäßige große melancholische Solo!

Harmonisch setzt man also großteils auf Metal-typische leicht tragisch-epische Elemente, die auch mal in richtig gute hymnische Refrains münden. (“Feel The Silence”).

Am Ende scheißt man sich dann gar nichts und feiert sich im “Scarecrow’s Song” gleich selbst mit einer geilen Klischee-Ballade, die an eine Mischung aus den “Apokalyptischen Reitern” (Metal Will Never Die) und Manowar erinnert und das wohl auch sein will.

Soundtechnisch klingt alles fett, einzig die Bass-Drums hätte man vielleicht etwas trockener gestalten können im Sound. Je nachdem, über welche Anlage man die Scheibe hört, kommt das Click etwas mehr oder weniger stark raus. Da die Gitarren sowieso äußerst fett und nicht gerade “retro” klingen, wäre hier ein staubtrockener Klang vielleicht sogar ein guter Gegenpol gewesen, aber das ist auch alles Geschmackssache. Ein paar Leads (z.b. beim Opener) kommen etwas dünn, aber das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch.

Tolle Scheibe! Das Niveau ist einfach sehr hoch!

9/10 Punkten

Von: Aamon

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