CD TRANSGRESSION | Review (Stormbringer, AT)

Scarecrow N.W.A. – Transgression (CD)

“Transgression” wird nicht nur Begeisterungsstürme auslösen, sondern bei manchem Metalhead für Verwunderung oder offenkundige Abneigung sorgen. Doch SCARECROW N.W.A. schaffen etwas Außergewöhnliches und wirklich Originelles, womit sie einem großen Teil der Konkurrenz voraus sind

SCARECROW N.W.A. aus der grünen Mark wurden jahrelang als “Underground-Geheimtipp” bezeichnet. Doch inzwischen hat die Band einen Schritt nach vorne gemacht, einen Deal bei “Noisehead Records” unterschrieben und nach einiger Zeit der vermeintlichen Inaktivität (seit “Ishmael” sind immerhin vier Jahre vergangen) mit “Transgression” eine neue Veröffentlichung vorzuweisen. Nach dem Hörgenuss kann man davon ausgehen, dass die Band in der Zwischenzeit aber nicht brach lag. Denn eines lässt sich vorweg nehmen: “Transgression” ist ein komplexes, aber auch liebevoll arrangiertes Metalmonster geworden.

Dabei schaffen SCARECROW N.W.A. das Kunststück einerseits Ballast einzusparen und sich auf die “reine Lehre der Metalinstrumentierung” zu konzentrieren, sprich auf Synths und Bombast zu verzichten, andererseits aber auch nichts an Komplexität und Detailverliebtheit einzubüßen. Dabei sind der Band die (Sub-)Genregrenzen bei “Transgression” offensichtlich noch unwichtiger als jemals zuvor. Denn war man bisher zumindest “Death Metal-lastig”, so ist “Transgression” ein fetter Brocken aus Death Metal, Thrash Metal, partiell Prog und so einigen Überraschungen. Wer zu Beginn eines Albums ein 9-minütiges Monster wie “MMXII” stellt, muss Selbstvertrauen haben. Die Steirer schrecken nicht davor zurück, die Gitarren ordentlich solieren zu lassen und diesen epischen Track zu einem verspielten Stück Extremmetal mit einigen klassischen Referenzen werden zu lassen. In dieser Tonart geht es auch weiter, wenngleich man in weiterer Folge neben den für die Band typischen Death/Thrash-Vocals auch gerne auf melodische Vocals zurückgreift. So wird man beim Titeltrack durch plötzlich auftretende melodische Vocals überrascht, die bei “Backstab Romance” auf die Spitze getrieben werden. Bei diesem Song offenbart die Band auch etwas kommerzielles Potenzial, wenngleich man nicht zu poppg agiert. Zum Glück übertreibt es die Band nicht zu sehr mit komplexen Arrangements und inkludiert bisweilen auch die genannten melodischen Aspekte oder lässt einfach mal die Thrash/Death-Faust rotieren wie zum Beispiel bei “At Dead Of Night” und dem vielleicht etwas zu lang geratenen “Feel The Silence”. Doch der Wahnsinn offenbart sich ohnehin erst im letzten Track des Albums: “Scarecrow’s Song” klingt zu Beginn eher nach “The Bard’s Song” und hinterlässt nur Verwunderung beim Hörer. Auch in weiterer Folge ist der Track ungewöhnlich pathetisch und sehr klassisch, was in diesem Kontext etwas verstörend wirkt.

“Transgression” ist wahrlich ein Monster und eben kein Werk zur bloßen Unterhaltung nebenbei. Die Band fordert den Hörer und sich selbst, besitzt aber zum Glück das Können, die potenziellen Problembereiche zumeist galant zu umgehen. Dies bedeutet nicht, dass jeder Song zu 100% gelungen ist und nicht manch ein Hörer von der doch mitunter sehr ungewöhnlichen Herangehensweise verschreckt wird. Nein, “Transgression” wird nicht nur Begeisterungsstürme auslösen, sondern bei manchem Metalhead für Verwunderung oder offenkundige Abneigung sorgen. Doch SCARECROW N.W.A. schaffen etwas Außergewöhnliches und wirklich Originelles, womit sie einem großen Teil der Konkurrenz voraus sind. Auch wenn man manchmal noch etwas zu viel will, so ist das Potenzial der Band auf jeden Fall beeindruckend. Vor allem die Gitarrenfraktion weiß zu gefallen. Allerdings müssen SCARECROW N.W.A. auch aufpassen, sich nicht zu sehr zwischen den Stühlen aufzuhalten. Man kann diesen talentierten Musikern nur raten, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen und ihnen eine große Anzahl an toleranten Metalfans wünschen, die sie auf diesem steinigen, aber aufregenden Weg begleiten werden.

Wertung: 4.0 von 5.0
Autor: El Greco (27. September 2013)

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